Mein Schweigen hat lange gedauert und selbst jetzt fällte es mir schwer aus der Schreib-Lethargie auf zu wachen. Ich weiss ist höchste Zeit, dir lieber Leser, einen Einblick in die jüngste Geschichte von Jos zu geben. Aber ehrlich gesagt, weiss ich nicht, ob mir dies gelingen wird. Denn nach wie vor kommt mir alles so unreal vor, ich kann die Ereignisse nicht ganz einordnen.
Alles was ich hier schreibe sind meine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle. Ich wage es nicht, generelle Ausagen zu machen, denn dazu ist die ganze Sache zu komplex.
Die letzten Wochen bilden noch Wirrwar an Gedanken, Emotionen und Erlebnissen. Es wird noch eine Weile dauern, bis sich dieser Nebel lockert. Was geschah sprengte meinen Erfahrungshorizont bei weitem. Es gibt nichts, womit ich das Geschehene vergleichen kann, nichts an dem ich anknüpfen könnte.
Alles begann mit einem geplanten Angriff am 28. November. Die Wahlen und der vorgehaltene Wahlbetrug waren nur ein Vorwand, wie sich bald herausstellte. Hunderte von angeheuerten Kämpfer aus anderen Regionen Nigerias und sogar umliegenden Ländern wurden in den Tagen davor und selbst während der Unruhen nach Jos 'geschifft'. An Militärkontrollpunkten wurden Duzende von Autos angehalten, welche mit Waffen gefüllt waren, die nach Jos gebracht werden sollten, um die Moslemischen Kämpfer zu unterstützen.
In der Folge kam es zu heftigen Strassenkämpfen. Häuser wurden in Brand gesteckt, ebenso Kirchen und Moscheen. Menschen rannten um ihr Leben, die Spitäler waren überfüllt mit Menschen mit Schussverletzungen und Messerstichen. Während zwei Tagen waren ununterbrochen Schüsse zu hören, der Himmel war dunkel vor lauter Rauch. Die letzteren zwei Dinge war alles, was ich zu Beginn der Unruhen mitbekam, denn ich war sicher hinter den Compoundmauern eingesperrt, da eine Ausgangssperre verhängt wurde. Es ist seltsam, wie etwas der Art Schreckliches nur einige Hundert Meter von dir entfernt statt finden kann, du dich aber in einer anderen Welt befindest. Ich fühlte mich wie in einer Blase, welche dann wurde dann aber doch irritiert wurde, als wir Meldung bekamen, dass die Compounds die zu ECWA gehören mögliche Angriffsziele sind. Damit kam die Gefahr ganz nahe an mich heran. Da in einer Krisensituation wie wir sie erlebten, alle Informationen ernstgenommen werden müssen, wurde uns nahegelegt, dass wir unsere Häuser für einige Tage verlassen um zu sehen, wie sich die Situation entwickeln wird. Die Erfahrung sich selbst zu evakuiern war mehr als nur seltsam. Während ich meine Sachen packte, streiften mich viele Gedanken. Was, wenn ich nicht mehr zurück kommen kann? Diese Möglichkeit bestand, da keiner wusste wie sich die Lage entwickeln würde. Was packe ich dann ein? Welche Dinge, dich ich mit Nigeria verbinde, möchte bei mir haben? Ich glaubte eigentlich, dass ich wieder in meine Wohnung zurückkehren werde, aber was wenn nicht? Als der Rucksack schliesslich gepackt war, galt es da Haus dicht zu machen: alle Stecker ausziehen, Boiler ausschalten, Vorhänge zu ziehen und eine riesige Schüssel mit Wasser und Futter für Katze Max bereitstellen. Was wir dir ihr, wenn ich in die Schweiz fliegen muss?
Die kommenden sechs Tage überschreibe ich mit "Zwangsferien". Hin und her gerissen zwischen den Vergnügen (Sport, Siedler von Catan spielen, viel Essen und Gemeinschaft) und der Situation in Jos (Unruhe, grosse Not, Freunde die sich dort befinden) konnte ich die Zeit mal genissen, mal aber wurde ich von Zweifeln, Frustration und Schuldgeühlen überrannt. Hier befinde ich mich nun in Sicherheit, weit weg von den Unruhen und Problemen. Aber wie kann ich einfach wegrennen, wenn Tausende von Nigerianern diese Möglichkeit nicht haben? Die Not ist so gross und ich kann nicht helfen, statt dessen vergnüge ich mich hier. In mir fand ein Kampf zwischen rationalen und emotinalen Opponenten statt.
In den letzten zwei Wochen versuchte ich täglich wieder ein Stück Alltag zu finden, aber dies ist schwierig. Ich vermisse zwei Wochen, die aus meinem Leben gerissen wurden. Jedem geht es so. Dir fehlen einfach zwei Wochen. Das Leben in Jos normalisiert sich, aber es ist doch anders als vorher, weil die Stadt eine andere ist, die Leute anders sind. Man kann eine gewisse Anspannung spüren. In Gesprächen mit Menschen ist die Krise ständig gegenwärtig und wird es noch lange bleiben. Mit jeder Begegnung, jedem Blick auf zerstörte Häuser und ausgebrannte Autos, jeder Geschichte, die ich höre, dringt die unbegreifliche Realität etwas mehr in meine Blase ein. Vertriebene, Verletzte, Tote, Hablose, Trauernde, Wütende, Aufgebrachte, Hoffnungslose, Hoffende, Zerstörer und Friedensstifter leben mit mir ein einer Stadt. Irgendwie bin ich ein Teil von ihnen und ich spüre den Schmerz der Menschen. Alles was sich diesen Menschen wünsche ist die Botschaft von Weihnachten: "Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen." Noch nie habe ich die Adventszeit so wirklich erlebt, noch nie so passend wie diese Jahr.
Euch Menschen von Jos wünsche ich friedvolle Weihnachten, der Erretter ist da!

Alles was ich hier schreibe sind meine Erfahrungen, Gedanken und Gefühle. Ich wage es nicht, generelle Ausagen zu machen, denn dazu ist die ganze Sache zu komplex.
Die letzten Wochen bilden noch Wirrwar an Gedanken, Emotionen und Erlebnissen. Es wird noch eine Weile dauern, bis sich dieser Nebel lockert. Was geschah sprengte meinen Erfahrungshorizont bei weitem. Es gibt nichts, womit ich das Geschehene vergleichen kann, nichts an dem ich anknüpfen könnte.
Alles begann mit einem geplanten Angriff am 28. November. Die Wahlen und der vorgehaltene Wahlbetrug waren nur ein Vorwand, wie sich bald herausstellte. Hunderte von angeheuerten Kämpfer aus anderen Regionen Nigerias und sogar umliegenden Ländern wurden in den Tagen davor und selbst während der Unruhen nach Jos 'geschifft'. An Militärkontrollpunkten wurden Duzende von Autos angehalten, welche mit Waffen gefüllt waren, die nach Jos gebracht werden sollten, um die Moslemischen Kämpfer zu unterstützen.
In der Folge kam es zu heftigen Strassenkämpfen. Häuser wurden in Brand gesteckt, ebenso Kirchen und Moscheen. Menschen rannten um ihr Leben, die Spitäler waren überfüllt mit Menschen mit Schussverletzungen und Messerstichen. Während zwei Tagen waren ununterbrochen Schüsse zu hören, der Himmel war dunkel vor lauter Rauch. Die letzteren zwei Dinge war alles, was ich zu Beginn der Unruhen mitbekam, denn ich war sicher hinter den Compoundmauern eingesperrt, da eine Ausgangssperre verhängt wurde. Es ist seltsam, wie etwas der Art Schreckliches nur einige Hundert Meter von dir entfernt statt finden kann, du dich aber in einer anderen Welt befindest. Ich fühlte mich wie in einer Blase, welche dann wurde dann aber doch irritiert wurde, als wir Meldung bekamen, dass die Compounds die zu ECWA gehören mögliche Angriffsziele sind. Damit kam die Gefahr ganz nahe an mich heran. Da in einer Krisensituation wie wir sie erlebten, alle Informationen ernstgenommen werden müssen, wurde uns nahegelegt, dass wir unsere Häuser für einige Tage verlassen um zu sehen, wie sich die Situation entwickeln wird. Die Erfahrung sich selbst zu evakuiern war mehr als nur seltsam. Während ich meine Sachen packte, streiften mich viele Gedanken. Was, wenn ich nicht mehr zurück kommen kann? Diese Möglichkeit bestand, da keiner wusste wie sich die Lage entwickeln würde. Was packe ich dann ein? Welche Dinge, dich ich mit Nigeria verbinde, möchte bei mir haben? Ich glaubte eigentlich, dass ich wieder in meine Wohnung zurückkehren werde, aber was wenn nicht? Als der Rucksack schliesslich gepackt war, galt es da Haus dicht zu machen: alle Stecker ausziehen, Boiler ausschalten, Vorhänge zu ziehen und eine riesige Schüssel mit Wasser und Futter für Katze Max bereitstellen. Was wir dir ihr, wenn ich in die Schweiz fliegen muss?
Die kommenden sechs Tage überschreibe ich mit "Zwangsferien". Hin und her gerissen zwischen den Vergnügen (Sport, Siedler von Catan spielen, viel Essen und Gemeinschaft) und der Situation in Jos (Unruhe, grosse Not, Freunde die sich dort befinden) konnte ich die Zeit mal genissen, mal aber wurde ich von Zweifeln, Frustration und Schuldgeühlen überrannt. Hier befinde ich mich nun in Sicherheit, weit weg von den Unruhen und Problemen. Aber wie kann ich einfach wegrennen, wenn Tausende von Nigerianern diese Möglichkeit nicht haben? Die Not ist so gross und ich kann nicht helfen, statt dessen vergnüge ich mich hier. In mir fand ein Kampf zwischen rationalen und emotinalen Opponenten statt.
In den letzten zwei Wochen versuchte ich täglich wieder ein Stück Alltag zu finden, aber dies ist schwierig. Ich vermisse zwei Wochen, die aus meinem Leben gerissen wurden. Jedem geht es so. Dir fehlen einfach zwei Wochen. Das Leben in Jos normalisiert sich, aber es ist doch anders als vorher, weil die Stadt eine andere ist, die Leute anders sind. Man kann eine gewisse Anspannung spüren. In Gesprächen mit Menschen ist die Krise ständig gegenwärtig und wird es noch lange bleiben. Mit jeder Begegnung, jedem Blick auf zerstörte Häuser und ausgebrannte Autos, jeder Geschichte, die ich höre, dringt die unbegreifliche Realität etwas mehr in meine Blase ein. Vertriebene, Verletzte, Tote, Hablose, Trauernde, Wütende, Aufgebrachte, Hoffnungslose, Hoffende, Zerstörer und Friedensstifter leben mit mir ein einer Stadt. Irgendwie bin ich ein Teil von ihnen und ich spüre den Schmerz der Menschen. Alles was sich diesen Menschen wünsche ist die Botschaft von Weihnachten: "Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen." Noch nie habe ich die Adventszeit so wirklich erlebt, noch nie so passend wie diese Jahr.
Euch Menschen von Jos wünsche ich friedvolle Weihnachten, der Erretter ist da!

0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen